Die neue Vielfalt

Diversität @cbs - Kraftzentrum und Vortrieb für Wachstum und echte Größe

Die IT-Branche war lange Zeit einer Männerdomäne. Aber das ändert sich. Unternehmen werden jeden Tag diverser. Junge, ehrgeizige Frauen interessieren sich immer öfter für Technologie, studieren Wirtschaftsinformatik oder Maschinenbau und möchten in der Software-Branche arbeiten. Die Belegschaft von cbs ist schon zu 31 Prozent weiblich. Consultants kommen heute zudem aus allen Teilen der Erde zu cbs, so etwa aus Brasilien, Finnland, Syrien, Sri Lanka, China und Malaysia. Das Unternehmen ist bunt, auch das ist ein wichtiger Teil einer besonderen Unternehmenskultur, kurz „Power of Orange“.

Als Mutter eines Kleinkindes ins Management aufsteigen und die eigene Karriere vorantreiben? Dafür gibt es schon einige Paradebeispiele. Als Geflüchteter SAP-Berater werden? Auch das ist möglich. „Berufswege lösen sich zunehmend von starren Mustern und Rollenklischees. Die Heidelberger Beratungsfirma cbs zeigt, wie es gelingen kann, die neue Vielfalt zu leben“, schreibt Barbara Klauß, Redakteurin der „Rhein-Neckar-Zeitung“, in ihrer Reportage, erschienen im Wirtschaftsmagazin der Zeitung. Hier Auszüge aus dem Originaltext:

Selale Deniz

Wertschätzung, flexible Arbeitszeiten, Gestaltungsspielraum, Aufstiegschancen: das sind Dinge, die Selale Deniz wichtig sind. Die junge Frau, gerade 30 Jahre alt, hat an der TU in Kaiserslautern BWL mit Maschinenbau studiert und sich im Master auf Maschinenbau mit angewandter Informatik spezialisiert. Vor zwei Jahren kam sie über ein Trainee-Programm zu cbs und übernahm immer mehr Verantwortung. Heute leitet sie das Trainee-Programm zusammen mit einem Kollegen selbst.

Selale Deniz hat sich bewusst für die Heidelberger Firma entschieden, erzählt sie. Mehrere Angebote hätte sie gehabt. Doch hat sie genaue Vorstellungen, was ein Unternehmen ihr bieten muss. „Es ist ja nicht so, dass nur das Unternehmen Anforderungen an eine Mitarbeiterin oder einen Mitarbeiter hat. sondern auch umgekehrt.“ Die jungen Menschen können es sich leisten, Forderungen zu stellen: Aufgrund des demografischen Wandels und der alternden Gesellschaft mangelt es inzwischen in fast allen Brachen an Personal. Gerade in der IT ist – auch wegen der zunehmenden Digitalisierung – der Bedarf an guten Fachkräften besonders groß. „Die SAP-Berater sind begehrt am Arbeitsmarkt“, erklärt ein cbs-Sprecher, „da herrscht viel Konkurrenz. Die können sich ihren Arbeitgeber aussuchen.“ Unternehmen müssen attraktiv sein für die gut ausgebildeten jungen Leute.

Und was macht diese Attraktivität aus?

Wertschätzung ist mit sehr wichtig – dass man auch mal ein Lob hört, dass man gesehen wird und Möglichkeiten erhält, sich zu entfalten.

Selale Deniz

Consultant

Unternehmen sollten „Modernität“ mitbringen, wie sie es ausdrückt: flache Hierarchien, ein sehr kollegiales Arbeiten, Chancengleichheit bieten. „Egal ob Werkstudent oder Managerin – hier werden keine Unterschiede gemacht“, sagt sie. Auch nicht zwischen Menschen verschiedener Nationalitäten.

Was die junge Frau auch zu schätzen weiß sind flexible Arbeitszeiten, individuelle Teilzeitregelungen und die Möglichkeit, zu Hause, im Homeoffice, arbeiten zu können. „Wir haben mittlerweile auch Workation“, erzählt sie. „Das habe ich auch schon öfter genutzt und etwa von der Türkei aus gearbeitet“, hat von dort aus auch Kundengespräche geführt.

Selale Deniz ist SAP-Beraterin. An diesem Tag reist sie noch zu einem Kunden nach Hamburg. Ihn begleitet sie beim Wechsel von einem alten SAP-System (R/3) auf ein neues (S/4HANA). Solche Projekte laufen über mehrere Jahre. Ihre Aufgabe ist es, all die Daten des Kunden, etwa im Controlling oder im internen Rechnungswesen, ins neue System zu übertragen. „Was die Arbeit so spannend macht, ist dass man dabei viel harmonisieren kann“, sagt sie – also in den Stammdaten des Kunden überprüfen, welche Kostenstellen überhaupt noch genutzt werden.

Nach dem Studium hatte sie mehrere Angebote von Unternehmen, unter denen sie wählen konnte. Bei einem Unternehmen, bei dem diese Modernität nicht geboten gewesen wäre, hätte sie nie angefangen, sagt sie. „Das wäre mir zu starr – auch nicht mehr zeitgemäß und wettbewerbsfähig.“

Gemeint ist damit jedoch keine fehlende Leistungsbereitschaft, wie sie dieser Generation gerne unterstellt wird. Im Gegenteil. Immer wieder betont Selale Deniz, wie wichtig es ihr sei, eigene Ideen einbringen zu können, zu gestalten, Verantwortung zu übernehmen. Nach nur einem Jahr bei cbs wurde ihr die Verantwortung für das Trainee-Programm übertragen. Stand heute würde sie auf jeden Fall sagen, dass sie sich irgendwann als Managerin sieht, auch Projektleitungen übernehmen möchte, vielleicht mal ins Ausland gehen. Die Frage, ob sie Ambitionen hat, beantwortet sie mit einem knappen, klaren „Ja“.

Angela Cardinale

Zwei kleine Kinder hat Angela Cardinale: die ältere Tochter ist drei, die kleine gerade sieben Monate alt. Außerdem ist die 36-Jährige Managerin bei der Beratungsfirma cbs. Die Beförderung auf ihre aktuelle Position und die damit verbundene Personalverantwortung für vier Kolleginnen und Kollegen, bekam sie, als sie gerade wenige Monate aus der ersten Elternzeit zurück war. „Ich möchte Dinge verändern“, erzählt sie, „und ich möchte zeigen, dass es machbar ist“ – eine Führungsposition zu haben und eine Familie. Und das in einer Branche, die noch immer männerdominiert ist, in der es wenige Frauen gibt, erst recht nicht in Führungspositionen.

Angela Cardinale hat International Business studiert und kam als Quereinsteigerin in die SAP-Beratung. Bei cbs leitet sie nun große Stammdatenprojekte bei Kunden. Als Stammdaten bezeichnet man die Daten eines Unternehmens, die die Grundinformationen über betrieblich relevante Dinge enthalten, also etwa über Material, Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, Geschäftspartner, Kunden, Lieferanten. Bei solchen Projekten analysieren die Beraterinnen und Berater von cbs diese Daten gemeinsam mit dem Kunden, etwa wenn ein Wechsel auf neue SAP-Software ansteht. Sie gestalten Prozesse neu und optimieren sie.

Auch wenn die IT-Branche sie fasziniert – „Ich bin eher strategisch unterwegs.“ Schnell habe sich herausgestellt, dass ihre Begabung nicht so sehr im Programmieren liegt. „Was ich gut kann, ist Projektmanagement, Moderieren, Kommunizieren, Potenziale oder Probleme erkennen“, sagt sie. So war schnell klar, dass sie diesen Weg einschlagen würde – und cbs hat ihn ihr ermöglicht.

13 Monate war sie nach der Geburt ihrer ersten Tochter zu Hause, ihr Mann weitere sieben. Dann kehrte Angela Cardinale zurück an ihren Arbeitsplatz – zunächst mit 60 Prozent, kurz darauf erhöhte sie auf 80 Prozent – und wurde wenige Monate später Managerin. Dass sie ein kleines Kind hatte, dass sie Teilzeit arbeitete – für ihren Arbeitgeber sei das kein Problem gewesen, sagt sie. „Ich hatte nie das Gefühl, dass mir irgendeine Tür zugemacht wurde.“

Natürlich habe es manchmal Momente gegeben, in denen es zu viel war, in denen sie abends noch da gesessen habe, erzählt sie. Dennoch wird sie auch nach der zweiten Elternzeit wieder zurückkehren auf ihren alten Job. Sie hat Strategien entwickelt, wie es mit der Vereinbarung klappt, trotz des fordernden Jobs, in dem man auch mal schnell und flexibel reagieren muss. „Ich habe einen sehr unterstützenden Mann an meiner Seite“, sagt sie. „Ohne einen solchen Partner würde es nicht funktionieren.“ Sie teilen sich die Aufgaben im Haushalt und die Betreuung der Kinder. „Wenn die Kinder krank sind, heißt das nicht, dass ich automatisch gehe.“ Sie plant ihre Tage und Wochen so gut es geht, auch gemeinsam mit ihrem Partner. Außerdem haben sie sich ein Unterstützungsnetzwerk aufgebaut: Omas und Opas, Babysitter, Nachbarn, Eltern anderer Kita-Kinder. Und sie habe ein sehr gutes Verhältnis zu ihrem Chef – selbst Familienvater. Wenn etwas sei, könne sie immer offen mit ihm reden. „Er hat Verständnis dafür, wenn das Kind krank ist. Das macht viel aus.“

Junge Führungskräfte, meint sie, dürften auch lernen, nein zu sagen und Grenzen zu setzen. „Alles andere bringt doch niemandem etwas“, sagt sie. „Manchmal muss auch ich sagen: Es geht nicht. Das tue ich dann auch.“

So traut sich Angela Cardinale, ihre Karriere weiter voranzutreiben. Nach der Elternzeit kehrt sie zurück auf ihre alte Position. Ihr Ziel ist es, mehr Verantwortung zu übernehmen, ein großes Team zu leiten, irgendwann einmal eine eigene Abteilung aufzubauen. Sie möchte Vorbild sein für andere junge Frauen mit Kinderwunsch.

Zwei Kinder und dennoch Managerin in der Beratung?

Ich möchte zeigen, dass es geht.

Angela Cardinale

Manager im Bereich Master Data Management

Juan Shekhmouss

Im Alter von 20 Jahren kam Juan Shekhmouss aus Syrien nach Deutschland, um hier in Frieden leben und arbeiten zu können. Auf legalem Weg gelang ihm das trotz mehrere Versuche und trotz hervorragender Schulnoten und einem angefangenen Studium in Data-Science nicht. Nachdem sein bester Freund auf dem Uni-Gelände in Damaskus vor seinen Augen erschossen wurde, machte sich Juan Shekhmouss gemeinsam mit seinem Bruder und seinem Cousin auf den Weg nach Deutschland.

Es war das Jahr 2015, in Syrien herrschte Krieg, Zigtausende Menschen flüchteten Richtung Europa. Auch Juan Shekhmouss. „Es war Horror“, während er von diesen drei Wochen auf der Flucht erzählt. Doch in seiner Heimat, sagt er, hätte es keine Zukunft gegeben. „Ich dachte: Entweder es klappt und ich fange in Deutschland dort an, wo ich in Syrien aufgehört habe“, sagt er. „Oder ich gehe drauf, dann ist das so. Eine dritte Möglichkeit hatte ich nicht.“

Nun sitzt Juan Shekhmouss, 28 Jahre alt, im dunkelblauen Anzug in einem Besprechungszimmer bei cbs, und erzählt in hervorragendem Deutsch von seinem Leben in Syrien, von der Flucht, von seiner Ankunft in Deutschland, von seinem Leben heute im beschaulichen Weinheim, und von seinen Plänen für die Zukunft.

Ende 2015 machte sich Juan Shekhmouss gemeinsam mit seinem Bruder und seinem Cousin auf, zunächst über die Grenze in die Türkei. Dort wurden sie für viel Geld von Schleppern an die Küste gebracht und stiegen mitten in der Nacht in ein übervolles Schlauchboot, das sie in der Dunkelheit übers offene Meer nach Griechenland bringen sollte. „Es war unmenschlich“, sagt er. „Ich finde nicht die passenden Worte dafür.“

Trotz aller Angst, trotz eines technischen Problems erreichten die drei jungen Männer die griechische Küste, die letzten Kilometer schwimmend. An der Straße versuchten sie etwas zu schlafen, zwischen all den anderen Flüchtenden. „Kinder schrien, Frauen weinten.

Zu Fuß machten sie sich wieder auf den Weg, über die Balkanländer erst nach Österreich, dann nach Deutschland. In Ellwangen kamen sie an. Schließlich landeten sie in einer Unterkunft in Lützelsachsen.

Vom ersten Tag an sei ihm klar gewesen, dass er Deutsch lernen wollte und musste. „Ohne Sprache kommt man nicht weiter“, sagt er. Über den Arbeitskreis Asyl lernte er eine junge Lehrerin kennen, die gerade in Elternzeit war und mit ihm eineinhalb Jahre lang jeden Tag Deutsch lernte. Nach eineinhalb Jahren hatte er das C1-Niveau erreicht. Nach gut einem Jahr halben wurde sein Asylantrag genehmigt.

Auch beruflich ging es voran. Zunächst bekam er ein dreimonatiges Schnupperpraktikum be Freudenberg in Weinheim – Datenauswertung in einem SAP-System. Er arbeitete sich so gut ein, dass sie ihm einen Vollzeitjob anboten. Parallel bewarb er sich um Ausbildungsstellen und Studienplätze, begann schließlich ein Studium an der DHBW in Wirtschaftsinformatik und Data Science und machte anschließend bei SAP – über das Changemakers-Programm – eine Weiterbildung zum SAP-Berater. Über dieses Programm kam Juan Shekhmouss Ende 2021 zum SAP-Partner cbs, zunächst für ein Praktikum – und blieb. Zunächst als Analyst, sechs Monate später wurde er Consultant. Vor rund einem halben Jahr hat er sein erstes eigenes Projekt übernommen.

Manchmal wird er gefragt, wie er bis hier hin geschafft hat. „Klar, ich hatte nicht das Privileg, hier aufzuwachsen“, sagt er.

Aber letztendlich geht es darum, Chancen zu ergreifen und etwas durchzuziehen. Machen. Man hat ja nichts zu verlieren.

Juan Shekhmouss

SAP-Berater

Manchmal ist er stolz auf das, was er erreicht hat, wenn er abends in seiner Wohnung in Weinheim sitzt. „Aber da muss noch mehr kommen“, sagt er. „Ich würde gerne mehr Aufgaben übernehmen, mehr Verantwortung.“ Irgendwann auch ein Team leiten.

Hin und wieder träumt er von Syrien. „Aber mein echtes Leben hat hier begonnen“, sagt Juan Shekhmouss, der inzwischen einen deutschen Pass hat. „Wenn ich mich entscheiden müsste zwischen Syrien und Deutschland würde ich sagen: Deutschland.“ Hier sieht er seine Zukunft.